Phasen von Kapitalismus und Formen gesellschaftlicher Arbeit
„Produktionsweise“ ist ein hilfreicher Begriff, um Gesellschaft und ihre Geschichte zu verstehen. Als konstitutive Mechanismen von Kapitalismus werden Kapitalverhältnis, Ausbeutung und Warenform als Herrschaftsmodus analysiert. Es wird aber auch die Wandlungsfähigkeit von Kapitalismus ernst genommen. Kapitalismus ist zweimal so grundlegend umgebaut worden, dass man von einer neuen Produktionsweise innerhalb von Kapitalismus sprechen kann. Nach dem Liberalismus, wie ihn Marx und Engels studiert haben, haben Fordismus und Neoliberalismus jeweils neue Kapitalstrategien, eine neue Arbeitsmoral, ein neues Herrschaftsregime, eine neue Ungleichheitsstruktur und eine neue Lebensweise, also Kultur hervorgebracht. Diese Unterscheidung von Phasen des Kapitalismus hat entscheidende Vorteile für das Verständnis von Gesellschaftsentwicklung: Sie sichert Gesellschaftsdiagnose gegen die Beliebigkeit, mit der in der Soziologie „XY-Gesellschaften“ konstruiert werden, und sie gibt Kriterien für Stabilität und Veränderung an.
Zumindest angemerkt werden soll auch, dass „Arbeit“ nicht unter der Hand mit „Lohnarbeit“ gleichgesetzt werden kann. Der kapitalistisch organisierte Bereich des Wirtschaftens sitzt auf einem Sockel von gesellschaftlichen Arbeiten auf, die anders organisiert sind: als Gemeinde- und Hausarbeit, Eigenarbeit und solidarische Ökonomie. Zumindest ansatzweise sollen die Folgerungen gezogen werden, die das für eine Sozialpolitik hat, die der gegenwärtigen Produktionsweise angemessen wäre.