Wie beim Kampf um Rendite und Boni der Kapitalismus an den Rand des Kollapses gerät
Der moderne Kapitalismus gilt als ein flexibles und daher stabiles System. Auch die Finanzkrise hat nicht den Untergang oder Zusammenbruch des Kapitalismus zur Folge. Wohl aber hat sie unvorstellbar hohe monetäre Verluste von 10 (Commerzbank-Schätzungen) bis 50 (Asian Development Bank)Trillionen US-Dollar gebracht. Die Auseinandersetzung geht um die Verteilung der Verluste. Wer im globalen System des Kapitalismus wird sie tragen, und welches sind die Mechanismen der Umverteilung? Das Management der großen Banken und Fonds kassiert wieder hohe Prämien und Boni, so als ob die Finanzkrise nicht die irdische Welt sondern einen anderen Stern beträfe. Auch Finanzinstitute sind durch staatliche Paket gerettet worden und können ihre Geschäfte im Prinzip so weitermachen wie vor der Krise. Doch ist die Staatsverschuldung infolge der Kosten der Bankenrettung enorm angestiegen und die Frage kommt auf, welche Konsequenzen sich daraus für die Währungsrelationen (Bleibt der US-Dollar hegemoniale Währung?), die Entwicklung des Geldwerts (Inflationsgefahr) und die Verteilung von Einkommen und Vermögen ergeben. Obendrein haben sich “die strukturellen Ungleichgewichte” in der Weltwirtschaft im Verlauf der Finanzkrise zu einer schweren Krise des europäischen Integrationsprojekts (Griechenlandkrise) zugespitzt. Die notwendigen Korrekturen an der politischen Regulation des Kapitalismus bleiben aber aus, wenn mit Boni und anderen Anreizen das “Weiter so wie bisher” prämiert wird. Das ist umso tragischer als die kapitalistischen Weltwirtschaft nicht nur von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen ist, sondern sehr schnell und radikal Auswege aus dem fossilen Energiesystem gefunden werden müssen. Dies ist nicht nur eine ökonomische und poltische Herausfoderung, sondern erfordert einen kulturellen Wandel.