Alexander Naumann

Alexander Naumann: Kritik der Arbeit, Arbeit der Kritik

In den letzten Jahren hat sich die Frage der Kritik der Arbeit auf Nebenwegen wieder in die öffentliche Debatte eingenistet. Die heitere Variante sind Essais zum Recht auf Faulheit von Corinne Maier oder Zoé Shepard, die tragische Aktualität des Themas tritt in Selbstmordreihen am Arbeitsplatz wie bei France Télécom in den Vordergrund. In der Bundesrepublik werden Sozialeinkommen auf Grundlage des Menschenrechts diskutiert, während heftige Generalstreiks in Griechenland, Spanien und Frankreich von der Erfahrung der Härten der Arbeitswelt ausgehen.

Diese Phänomene wird Alexander Neumann mit Hilfe der kritischen Soziologie einfangen. Über dietraditionellen Erklärungsmuster hinaus, die Arbeit und Gesellschaft in einen positiven Zusammenhang stellen, sollen hier die meist unausgesprochene Zerrissenheit der Arbeitswelt, die gesellschaftliche Zweischneidigkeit und der subjektive Überschuss benannt werden. Anknüpfungspunkte sind die Sozialforschung der Frankfurter Schule oder die französische Arbeitssoziologie. In diesem Sinne führt die Kritik der Arbeit zur Arbeit der Kritik, die nicht mit der Berufung auf große Klassiker beendet ist, sondern in der globalen Krise nach ihrer Aktualisierung ruft.