Unbehagen – und sonst gar nichts?
Eine psychoanalytisch-sozialpsychologische Gegenwartsdiagnose
Das Unbehagen, das die Menschen insbesondere unter den Bedingungen einer entwickelten Gesellschaft empfinden, ist dem Widerstreben der Subjekte gegen die Anforderungen und Einschränkungen des Kulturlebens geschuldet. Das hat die psychoanalytische Sozialpsychologie, beginnend mit Freud, aufgewiesen. In der spätmodernen Gesellschaft haben sich die diesbezüglichen Belastungen eher noch verschärft. Dazu scheint etwa die weithin registrierte Zunahme von Depressionen zu passen. Dieser Tatsache hat sich eine Diagnose der gegenwärtigen Verhältnisse nüchtern zu stellen. Aber dies ist nur die eine Seite der psychischen Verfassung unserer Zeit, die der Vortrag thematisieren wird. Die andere Seite, von der er handelt, besteht darin, im Sinne einer kritischen politischen Psychologie Tendenzen einer Reflexion und Gegenreaktion wahrzunehmen; darin wird die Initiative der Subjekte sichtbar, sich gesellschaftlich neu und psychisch verträglicher einzurichten.
Hans-Joachim Busch, Diplom-Soziologe, Diplom-Supervisor (DGSv), Prof. Dr. phil., Hochschullehrer für Sozialpsychologie am FB Gesellschaftswissenschaften der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sigmund Freud-Instituts in Frankfurt am Main; Sprecher des Arbeitskreises Politische Psychologie innerhalb d. Dt. Vereinigung f. politische Wissenschaft; zahlreiche Publikationen zur psychoanalytischen Sozialpsychologie und zur politischen Psychologie, u.a. „Subjektivität in der spätmodernen Gesellschaft. Konzeptuelle Schwierigkeiten und Möglichkeiten psychoanalytisch-sozialpsychologischer Zeitdiagnose“, Weilerswist 2001, sowie, als Hrsg., „Spuren des Subjekts. Positionen psychoanalytischer Sozialpsychologie“, Göttingen 2006, „Liebe im Kapitalismus“ (mit A. Ebrecht), Gießen 2008.