Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich: Gesellschaftswissenschaften
Datum: 30.06.09
Titel/Inhalt: Forschung im Namen von Exzellenz
Bleibt die Einheit von Forschung und Lehre auf der Strecke?
Wer dieser Tage die Formel der „Einheit von Forschung und Lehre“ im Munde führt, wird entweder milde belächelt, weil diese Idee nun einmal hoffnungslos antiquiert sei, oder er/sie muss sich brüsk zurechtweisen lassen, dass das doch ohnehin nur eine Ausflucht der Professorenschaft sei, um sich die ungeliebte Lehre vom Hals zu halten, während sie mit einem kleinen elitären Zirkel auserlesener Mitarbeiter prestigeträchtige Forschungsprojekte betrieben, von denen die Studierenden nicht einmal ahnten, dass es sie überhaupt gebe. In beiden Fällen läuft die Argumentation dann darauf hinaus, dass man eben „Exzellenz“ in Forschung und Lehre benötige, und dass man differenzieren müsse, weil nicht jeder gute Forscher auch ein guter Lehrer sei und umgekehrt. In der hochschulpolitischen Umsetzung bedeutet das die Einführung von – von der Lehre freigestellten – Forschungsprofessuren auf der einen und Lecturern mit einem Lehrdeputat von bis zu 18 Semesterwochenstunden auf der anderen Seite. Es entsteht eine akademische Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der sich das hierarchische Verhältnis von Forschung (elitär) und Lehre (niedere Tätigkeit), das vorgeblich mit den Reformen bekämpft wird, drastisch zuspitzt.
Was dagegen „Einheit von Forschung und Lehre“ bedeuten könnte, lässt sich aber nicht abstrakt verhandeln. Der Vortrag erörtert an konkreten Beispielen, wie eine solche Praxis an den Universitäten einmal aussah, was unter den aktuellen Rahmenbedingungen noch möglich ist, und welche Forderungen es für eine zukünftige Weiterentwicklung gibt. Dabei wird es notwendig auch um die Frage gehen, wozu akademische Bildung eigentlich gut sein soll und warum Forschung dabei eine wichtige Rolle spielen sollte – und umgekehrt, ob Forschung gesellschaftlich nicht zu wichtig ist, um sie wenigen Experten zu überlassen.