Phillips-Universität Marburg
Datum: 19.05.09
Titel/Inhalt: Bildung als Stachel – Kritik, Demokratie und Lebenskunst
Wo und wie ereignet sich Bildung, was hat Bildung mit Kritik zu tun, und wie wäre sie – den gegenwärtigen ‚Entleerungstendenzen’ zum Trotz – ‚instandzubesetzen’? Der Vortrag fragt nach den Voraussetzungen und Potentialen von Bildung als Bildungsgeschehen, als subjektive und soziale Bildungspraxis. Dabei wird auf Erfahrungen im Kontext oppositioneller Bewegungen Bezug genommen, die auch als Bildungs-Bewegungen gelesen werden können: zum einen in Bezug auf den Anspruch, an der Bildung von Gesellschaft teilzuhaben, oder gar eine Um-Bildung von Gesellschaft herauszufordern und darauf hinzuwirken, zum anderen in Bezug auf konkrete andere Lebensmöglichkeiten, auf den Wunsch und die Notwendigkeit der Selbst-Veränderung. Damit gerät Bildung auch als Gestaltung, als Form gebender oder Form suchender Prozess in den Blick, den es gegenüber instrumentalisierenden Formatierungen zu verteidigen gilt. Am Beispiel der Frauenbewegungen des 20. Jahrhunderts wird diskutiert, welche Lern- und Bildungsprozesse hier stattfinden, und welche symbolische, politische und höchst praktische Bedeutung Bildung in gesellschaftskritischer Perspektive zukommt.
Die Herausforderung von Bildungsprozessen, Bildung als Konflikt, auch: als Schmerz wird dabei eine zentrale Rolle spielen.